22
Feb
2026

Das Gute. Es gibt es noch!

Irgendwann ist auch der schönste Urlaub zu Ende und es ruft das Zuhause. Die Cote d'Azur verabschiedete uns mit einem Himmel, der in seiner Intensität an das Infinite Bleue von Yves Klein erinnerte.

Und weil im Kofferraum noch ein Fitzelchen Platz war, kehrten wir erneut beim Château MARAVENNE in La Londe an, für ein letztes Kistlein vom guten Réserve. Ich erntete Kopfschütteln vom Beifahrersitz,  schmunzelte jedoch und dachte mir, dass man nie weiß wann man es braucht und Vorräte sind immer gut.

Ein letztes, vor Butter triefendes, Croissant an der Aire de Manon des Sources, um den Abschied zu erleichtern.

Man konnte sagen "es lief". Mehr Verkehr kam erst auf, als die Massen von belgischen Skiurlaub-Heimkehrern die Autobahn fluteten. 
Dennoch lief alles zügig, was sicher auch an einer recht homogenen Geschwindigkeit liegt, die durch die 130er-Grenze vorgegeben ist.

In Lyon kleine Glücksmomente: Der Liter E10 für 1,54⁹ €. Wie lange ist das her? Nach 5 Stunden war Fahrerwechsel angesagt. Frau D übernahm und gelangte unfreiwillig zu dem Moment, den sie schon immer als ihren größten Angsttraum bezeichnete. Mitten auf der Autobahn, im dichten Verkehr, ein lauter Knall und ein Ziehen an der Lenkung! 
Vielleicht, weil sie diese Angstsituation in Gedanken schon oft durchgespielt hat, tat sie das einzig Richtige: Warnblinkanlage an, runter vom Gas und zügig eine breitere Notfallbucht ansteuern. Das Schlagen des platten Hinterrades war deutlich zu hören.

Reifenwechsel! Das können wir doch alle, oder?
Erst einmal den ganzen Kofferraum leeren und alles auf den Standstreifen stellen. Zum Glück waren die Wolken bei St. Amour noch ohne Regen. Aber ab sofort ist eine 5x5 m Plastikabdeckplane vom Malergeschäft  beim Ersatzrad. Dazugelernt!

Der Wagenheber, aus dem werksseitigen Bordwekzeug, erinnert eher an ein Spielzeug, aber es funktionierte. Mit meinem lädierten Bein war es eine echte Herausforderung.
Jetzt nur die Schrauben lösen. Von wegen. Die Winterreifen haben andere Schraubenköpfe als die Sommerreifen. Ende der Eigenreparatur.

Und da tauchte aus der Flut der Vorbeirauschenden, engelgleich, ein weißes, großes Servicefahrzeug mit Rundumwarnbeleuchtung der Autobahnbetreibergesellschaft APRR (Autoroute Paris Rhin Rhone) auf, sicherte nach hinten mit voller Warnbeflaggung den Verkehr und begutachtete den Schaden.

Er war auf der Fegendahrbahn unterwegs, hatte unseren Havaristen von dort aus entdeckt und bei der nächsten Ausfahrt gewendet.

Aprr1

Normalerweise dürfe er nur den Abschleppdienst rufen, aber da das Auto schon aufgebockt sei, könne er durchaus....
Im Grunde sind die Einsatzkräfte nicht für den Pannenservice da, sondern für den Strassenunterhalt und die Absicherung bei Unfällen und Baustellen.

Und er konnte! Und wie. Er hatte nämlich passendes Werkzeug. Memo für zuhause:  Neben der Plane auch einen Kreuzschlüssel kaufen und zum Ersatzrad packen.

Aber auch unserer orangener Helferengel musste heftig schinden, um die Schrauben zu lösen. Dennoch war bald das kleine Ersatzrad aufgezogen, wenngleich etwas luftarm. Wir wurden daher auch noch mit Geleitschutz (Orange- und Blaulicht) in Rückendeckung bis zur nächsten Raststätte mit Luftdruckstation eskortiert, wo er uns auch noch den Reifen auf die nötigen 4,2 Bar füllte.

Aprr2

Neben einem guten Danke in Euro, öffnete ich gerne den Karton Réserve. Er meinte wörtlich "Nehmen darf ich nichts, Sie bezahlen schließlich für die Autobahnnutzung, also sind wir für Sie da". Hut ab, diesen Berufsethos wünschte ich mir bei so manchem anderen Dienstleister.

Er solle Geld und Wein seiner Frau geben, parierte ich, weil sie ja schließlich so einen netten Mann habe. So ging es dann. Und beste Grüße an die Gemahlin!

Das Ersatzrad ist auf 80 km/h limitiert, verträgt aber bis 100. Die restlichen 430 Kilometer klemmten wir uns hinter Lastwagen und zuckelten heim.


Aprr3

Glück im Pech gehabt. Nichts weiter passierte, ausser, daß wir um eine gute Erfahrung reicher wurden: DAS GUTE, ES GIBT ES NOCH!


Mein täglich Leben gib mir heute





#APRR

19
Feb
2026

Flucht gelungen

Fasnacht ist für viele ein Höhepunkt. Es sei Ihnen gegönnt. Für mich nicht, und meine Ablehnung wächst. Jährlich, mit der fortschreitenden Sinnbefreiung des vermeintlich Traditionellen.

Inzwischen im zehnten Jahr suchen wir die Flucht. Durch die Schweiz, über die Hochsavoyer Berge, vorbei an Aubagne (Grüße an Marcel Pagnol), vorbei an Aix, bevor sich beim Autobahndurchbruch oberhalb von La Ciotat das erste Mal das glitzernde Meer zeigt. Leise hören wir dort immer 'La Mer' von Charles Trenet.

Unser Ziel ist Le Lavandou. Ein älteres Paar vermietet uns dort ein kleines Appartement, direkt am Meer, im 4.Stock mit herzerfrischender Aus- und Rundumsicht. Wir sind quasi Stammgäste. Die Mimosen und die Strelizien blühen im sogenannten öffentlichen Raum. Und auch unser Leben blüht dadurch auf.

Die Bäckerin, der Mimosenzüchter, Micka der Besitzer der Bar LE CENTRE und das Personal 'unserer' Restaurants erkennen uns freudig wieder, auch wenn immer ein ganzes Jahr dazwischen liegt. Wir haben hier als Fasnachtsflüchtlinge inzwischen einen Duldungsstatus mit begrenztem Bleiberecht. Die karnevalesken Blumenumzüge, genannt CORSO FLEURIE meiden wir und genießen deren Ablenkungsstatus. Dafür ist im Rest dann geliebter Freiraum.

Heute war Wochenmarkt. Es bräuchte nur ein Zehntel der Stände: die ProducteurAgricole, die kleine Käserei, den Bäcker aus dem Hinterland mit dem guten Vollkornbrot. Der verzichtbare Rest sind Verkäufer von Unnützem, das nach Plastik stinkt und/oder untauglich ist.

Wichtig auch der Poissonier! Fische mit klaren Augen. Gute, frische Ware auf ganzer Länge. Den Preis muss man dann auch akzeptieren und baldmöglichst abhaken.
Frau D. und ich traten am Fischstand in Verhandlungen wegen des Abendessens und legten uns zügig fest. Ein Turbot allerhöchster Güte. 1,3 Kilo und damit zuviel für zwei -inzwischen- angejahrte Menschen.
Also das Prachtexemplar längs geteilt und eine Hälfte für morgen weggelegt.

Turb1

Die zweite, wunderschöne Hälfte des Steinbutts nach Art von Witzigmann zubereitet. Gesehen habe ich es vor Monaten beim tollen Sepp Schellhorn (Gastwirt, Revoluzzer, inzwischen Staatssekretär) auf Youtube.

Auflaufform ölen und mit angedrücktem Knoblauch belegen.
Darauf, den gesalzen und gepfefferten Steinbutt legen ( Weiße Haut unten).

Turb2

Darüber eine Melange streichen aus blanchiertem, ausgedrücktem, kleingehacktem Spinat/Mangold, angebratene Toastbrotwürfel, Tomatencoulis, reichlich Creme Fraiche und ein wenig Salz, Pfeffer, Piment d'Espelette.

Turb3

Im Ofen bei 180 Grad für 30-35 Minuten. Dann kann das Schlemmen beginnen. Wir hatten dazu einen Vin Blanc von der Domain Sanglière. Ein knallharter Vertreter der Sauvignon Blanc Eisdrops-Linie. Hat gepasst!

Turb5

Heute früher ins Bett. Müde vom Tag und Verdauen.

Und noch ein Tipp: Wer gerne mit Fisch arbeitet und gerne dazulernt, dem sei diese Seite ans kochende Herz gelegt. Klasse Anleitungen:
https://youtube.com/@fischgrubergmbhwien?si=8Z4Zgf5MtQyXJntO


Mein täglich Leben gib mir heute.

20
Dez
2025

Van Gogh und die Meteorologie - neue Erkenntnisse

Van Gogh kennt jedes Kind. Ich denke, sein Name hat den Bekanntheitsgrad einer braunen Zuckerlimonade in rot-weißer Verpackung. Sei's drum.

Eines von Van Goghs berühmten Bildern ist die Brücke bei Arles. Auch dieses Bild kennen die meisten. Beachten Sie aber das Bild etwas genauer, dann entdecken Sie links von der Zypresse eine etwas ungewöhnlich geformte Wolke. Fast unnatürlich in ihrer Form erinnert sie an ein zusammengeknülltes weißes Taschentuch. In der Tat hat diese Wolkenform daher auch ihren Namen. Bei Meteorologen heißt sie schlicht "le mouchoir froissé".

Wolke1

Erstmals wurde dies Wolkenform vom berühmten Wetterforscher Samuel Frederic Pleureton beobachtet. Anhand historischer Unterlagen wies der französische Meteorologe 1868 nach, dass diese spezielle Wolkenform höchstens 12 mal weltweit existiert. Diese Wolken lösen sich nicht auf, auch nicht bei größter Hitze, und wandern quasi mit der stratosphärischen Strömung um den Erdball.

Gut für Van Gogh, dass er just beim Durchzug eines dieser Exemplare sein Bild malte. Ich selbst hatte vor rund 15 Jahren das Glück eine dieser MOUCHOIR FROISSÉ zu fotografieren, als Sie in der Nähe unseres Hauses übers Rheintal zog. Eine von Zwölfen weltweit. Was für ein Zufall und ein Glück...

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Dinge gibts ....


Mein täglich Leben gib mir heute

19
Dez
2025

Pünktlich zum Christfest: Nachwuchs in der Familie

Als unser Sohn, Herr M., im September beiläufig erwähnte, dass er unser Grundstück als potentielle Auswilderungsfläche für Igel gemeldet habe, maß ich dem kein überstarkes Bedeutungspotential zu. Das wird er schon machen. Und ob irgendwo im Garten ein Igel pennt, soll mir recht sein. Nur, dass da etwas auf uns zurollte ahnte ich nicht und dass Herr M. sich gerade beruflich neu orientierte und daher,....Sie wissen schon..... Anfang Dezember war es soweit und die Whatsapp der Igelrettung wurden von Herrn M. durchleitenderweise direkt an "den OPA" gesendet.

Zum Hintergrund: Alle Jahre wieder, werden Igel gefunden, die für den Winterschlaf zu krank und zu schwach sind. Zum guten Glück engagieren sich in der IGELRETTUNG ORTENAU eV zahllose Ehrenamtliche, die diese kleinen Stachler zum Teil von Hand aufziehen, entwurmen, versorgen, bis sie überwinterungsfähig sind. Dann werden ruhige Grundstücke benötigt mit einem Kaninchengehege als Auslauf und einem Schlafhaus darin.

Für Frau D und mich hieß das Futter organisieren (bloß nicht irgendeins), Stroh besorgen, Stall-Auslauf holen und aufbauen. Bei letzterem Aufbau - eben eine echte Männersache, wie mein Enkel meinte - werkelten Opa, Sohn und Enkel gemeinsam.

Dann, Anfang Dezember, kam MUFFIN zu uns. Stattliche 1000 Gramm schwer, putzmunter und gar nicht müde. Erstaunlich, was so ein Kerlchen wegputzt. Die tägliche Sorge um die Tiere werden von Erd- und Obergeschoss gemeinsam und ergänzend getragen: Täglich Näpfe reinigen, den Auslauf sauber halten, Wasser und Futter nachfüllen und getrocknete Soldatenfliegenlarven ausstreuen, damit Mecki suchenderweise was zu tun hat.

IGEL1

Am letzten Mittwoch dann die Nummer 2: Meggy. Eine junge, sehr aufgeweckte feminine Dame, die auf ihren Namen zu hören scheint.
Wir sind gespannt, wann sie zur Ruhe kommt, das restliche Stroh in ihr Schlafhaus schleppt und sich einrollt.

Die zwei Enkel haben ihre Freude daran, täglich nach dem Kindergarten nach den Gästen zu schauen. Wenngleich die eher nachtaktiven Igel natürlich nicht zu sehen sind, weil sie tagsüber im Schlafhaus ratzen. Egal - die Kinder erleben, dass Natur schon vor der Haustür beginnt. Natürlich nur, wenn dort kein Schottergarten ist.

Muffins Futter war gestern unangetastet. Und auch das frische trockene Stroh war nicht mehr da. Vermutlich hat er jetzt endlich das Türchen zum Winterschlaf geöffnet und dusselt dem Frühjahr entgegen.

Wir werden den beiden über den Winter immer eine kleine Portion Fliegenlarven und frisches Wasser hinstellen. Manchmal unterbrechen Igel den Winterschlaf fürs Austreten und freuen sich über einen Happen zu Essen.

Meggy

Wenn Sie, lieber Leser, selbst keinen Igel aufnehmen können, aber dennoch Freude an den Stachlern haben, dann ist JETZT gute Gelegenheit sich zu engagieren. Die hiesige Volksbank hat für die IGELRETTUNG ORTENAU eine Crowdfunding-Aktion aufgesetzt. Noch bis 26. Januar 26 werden eingehende Spenden mit jeweils 5 Euro aufgeppt: https://www.viele-schaffen-mehr.de/projekte/igel-inkubatoren
Wenn zum Beispiel Paare nicht gemeinsam 20 Euro überweisen, sondern jeder 10 Euro spendet, dann gibts von der Bank eben auch 2 x 5 Euro ;-)


Mein täglich Leben gib mir heute


Link zur Vereinsseite:
https://igelrettung-ortenau.de/

24
Nov
2025

Es ist alles für etwas gut

Es dürfte ungefähr 30 Jahre her sein. Uns gegenüber wohnte ein gleichaltriges Ehepaar mit seinen zwei Kindern. Die unseren und die zwei von gegenüber strolchten draußen um den Block und wir Eltern saßen dann und wann abends zusammen. Ein Glas Wein, ein paar Knabbereien, etwas Geistiges und auch mal ein Rückfall in eigentlich vergangene Zigarillo-Zeiten.

Eines Morgens, beim Hochziehen der Rollläden, standen draußen ein Polizeiauto und ein Interventionsteam des DRK. Der Familienvater war Küchenleiter eines Caterers und musste immer sehr sehr früh losfahren. Auf der Schnellstraße wurde er von einem verbotenerweise überholenden, zugekifften, betrunkenen Party-Heimkehrer frontal erwischt. Späteres Hörensagen berichtet, dass die Helipiloten und Notärzte die Hoffnung zwar nicht aufgegeben hatten, aber dass die Chancen auf sein Überleben eher gegen Null gingen. Die angehängten Blutkonserven sickerten nahezu wirkungslos aus den zahllosen Wunden. Seine Brüche waren zahllos und einige Organe angerissen oder gequetscht.

Das hat geprägt. Wenige Wochen später ging ich als Neuling zur Blutspende, als Erstspender beim Roten Kreuz. Nochmal Wochen später ließ ich mich für die Knochenmarkspende typisieren bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspende Zentrale). Und noch ein wenig später füllte ich meinen Organspenderausweis aus.

Letze Woche war ich zur 42. Blutspende in meiner früheren Heimatgemeinde. Ein freundliches Heer von Ehrenamtlichen organisiert die Spende zwei Mal jährlich. Höflich und freundlich wird man empfangen und begleitet. Und obendrauf gibt es am Schluss noch einen Imbiss. Ein Lob dem Ehrenamt.

Blutspende-

Ja, ja, …ich höre schon wieder die ewigen Nörgler, wie sie sich warmlaufen. Das DRK treibt angeblich mit dem Blut einen Handel und verdient sich eine goldene Nase. Das ist ähnlich perfide und dumm, wie das Argument einem Bettler nichts zu geben, weil er sich davon eh nur Bier kaufen würde. Soll er doch! Gerne. Ich gönn mir auch mal was, und warum soll es einem armen Menschen nicht auch möglich gemacht werden, sich mal was zu gönnen, wo es sonst kaum fürs Nötigste reicht?

Ich lauf mich warm für die nächste Spende, denn die fünfzigste möchte ich schon recht bald erreichen. Und vielleicht schaffe ich es mit diesem Bericht, dass der eine oder andere sich aufrafft und selbst Blutspender wird, oder sich bei der DKMS typisieren läßt.

Der gute Schluß der Geschichte: Unser Nachbar hat alles überlebt, mit vielen OPs und Reha-Maßnahmen. Er hat inzwischen umgeschult, weil Kochen nicht mehr ging. Sie haben sich ein Haus gebaut und noch ein drittes Kind bekommen. So schön kann auch die übelste Geschichte enden.


Mein täglich Leben gib mir heute



Linkisches:

https://www.blutspende.de/

https://www.organspende-info.de/organspendeausweis-download-und-bestellen/?mtm_campaign=organspende-sea-2024-download&gad_source=1

https://www.dkms.de/registrieren

16
Nov
2025

Das Oma-Anna-Thalien-Gedenkbeet

Während ich hier schreibe, trommelt draußen der kalte Regen auf die Dachflächenfenster und der Himmel ist grau und trist.

Gestern noch werkelten wir bei warmen Temperaturen um die 17 Grad und ein wenig Sonne im Garten und gruben die Knollen unserer Dahlien aus dem Boden, um sie zum Abtrocknen unters Vordach der Scheune zu bringen und später dann in den Keller zum Überwintern. Auf dass sie nächstes Jahr zu Ende April wieder in den Boden kommen, um uns den Sommer über zu erfreuen. Frau D`s Garten hat gleich beim Eingang ein asymmetrisches Beet, das wir liebevoll das „Oma-Anna-Thalien-Gedenkbeet“ nennen.

Beet

Die Geschichte ist schnell erzählt: Nachdem wir über fünf harte Jahre hinweg, den an Alzheimer leidenden Vater von Frau D, gepflegt und betreut hatten, waren uns ein paar ruhigere Jahre mit unseren Kindern und der Oma gegönnt. Dann wurde die Mutter von Frau D „Oma Anna“ ein bettliegender Pflegefall mit einer 365/24/7-Rundum-Betreuung durch uns. Eine Verantwortung, die uns durchaus auch positiv geprägt hat, die ich mir aber auch nicht zurück wünsche.
Auf dem Höhepunkt des Ganzen hätte man – wie jedes Jahr im Herbst – die Dahlien aus dem Garten holen müssen. Dieses Procedere unterblieb wegen zu vieler anderer Aufgaben. Die Dahlien wurden ein Opfer des damals recht kalten Winters. Wir hatten uns damit der Last des Aus- und wieder Eingrabens enthoben, man könnte auch sagen herausgestohlen. Oma Anna quittierte dieses Versäumnis mit einem zeitlich befristeten Schmollen. Im heutigen Neusprech würde man unser Verhalten sakrosankt als Kollateralschaden durchwinken.

Thalie6

Es wurde Februar und mit dem Ende des Winters starb die Mutter von Frau D. Wir mussten uns erst einmal wieder daran gewöhnen, Zeit zu haben und relativ frei zu sein. Es war naheliegend in Urlaub zu gehen, auch wenn es Spätsommer wurde. Man könnte fast glauben, dass wir außer dem Lago Maggiore kein anderes Reiseziel kennen, aber er ist von uns aus in wenigen Stunden zu erreichen und wetteristisch ist er meist eine sichere Bank.
Am Westufer des Sees liegt die zweigeteilte Stadt Verbania mit den Stadtteilen Intra und Pallanza. Fast mittendrin findet sich ein traumhaftes Kleinod für Pflanzenliebhaber: Der 'Botanische Garten der Villa Taranto'. Wer hätte es gedacht, dass zur Zeit unseres Besuches eine riesenhafte Ausstellung rund um die Dahlie stattfand. Hunderte Arten, von der Pompondahlie, über die gefüllte Dahlie bis zur Kaktus- und Hirschgeweihdahlie. Wir staunten mit offenem Mund ob der Vielfalt und der Farben. Nur mit gegenseitigen Blicken kommuniziert, war der Plan gefasst und kaum zuhause wurde das kleine asymmetrische Beet vorbereitet und Dahlien beim Züchter bestellt.

Thalie2

Der April war günstig und die Ware verfügbar, denn es war Pflanzzeit. Wir achteten auf die Höhe und auf die Farben. Als die Knollen trieben, war die größte Aufgabe die jungen grünen, nach Licht strebenden Triebe, die aus der Erde lugten, vor den Heerscharen von Nacktschnecken zu schützen. Seither kennen wir alle Tricks, aber nur wenige die funktionieren. Von der Bierfalle bis zur Chemokeule wurde alles getestet.

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Seither – und das sind immerhin 12 Jahre – sind wir in Bezug auf Dahlien fast schon Profis. Oma Anna sprach das D in Dahlien immer sehr hart aus, so dass es wie Thalie klang. Das bewog uns, eingedenk Omas verletzter Seele, das Blumeninferno in „Oma Annas Thalien Gedenkbeet“ umzutaufen.

Kleiner Gartentipp am Rande: Bei guten Pizzerien (weil die im Großmarkt frische Pilze kaufen) fallen haufenweise kleine, meist blaue Plastikkörbe an, die sich stapeln lassen. Wenn man zwei aufeinandersetzt und mit Kabelbinder verbindet, vom oberen Korb den Boden herausschneidet, dann hat man – mit Zeitung ausgelegt – einen recht hohen Korb für die Überwinterung der Dahlienknollen. Recycling auf die gute Art!



Und weil es trotz guter Pflege ein paar Verluste gab, leider bei den besonderes neuen und noch kleineren Knollenbündeln, mussten wir gestern gleich wieder nachbestellen zur Lieferung im März 26. (Gute Züchter siehe unten). Auf dass das Oma-Anna-Thalien-Gedenkbeet auch nächstes Jahr wieder aufblühe.

Thalie3

Mein täglich Leben gib mir heute



Linkisches für mehr Wissen:

Zur Seite des Botanischen Gartens:
https://www.villataranto.it/

Hier habe ich schon gute Knollen bezogen:
https://www.koestritzerdahlien.de/
https://www.dahlienversand.de/

14
Nov
2025

Herbstgericht

Fast jeder weiß inzwischen wie sehr ich von Rilkes Herbstgedicht schwärme. Heute mal nicht mit d sondern mit r. Also vom Gedicht zum Gericht.
Auch bei diesem (kleinen) Gericht kommt alles zusammen, was den Herbst ausmacht. Frau D hat in unserem Garten rechtzeitig im Mai kleine Setzlinge für Rote Bete aus Samenkörnern gezogen. Von dem was uns die Schnecken übrig ließen, konnten wir im Garten einige gute Stellen finden, wo wir die kleinen Sprosse dem Wachstum übergaben. Bis zu diesem Jahr waren wir nicht sehr erfolgreich, denn die Rote Bete blieben - warum auch immer - klein und nicht sehr schmackhaft. Aber seit diesem Jahr steht bei den Pflanzungen der Gedanke im Vordergrund "wer kommt gut mit wem aus". Und seit die Rote Bete passende Nachbarn haben, läuft die Sache besser.

teller

Heuer lief es also besser - Hurra - richtig saftige und ausreichend große Knollen warteten auf die Zubereitung. 20-30 Minuten im Dampfkochtopf haben gereicht. Dann die noch heiße Knolle von der Schale befreien und etwas abkühlen lassen.

Dabei empfiehlt es sich Küchenhandschuhe zu tragen, sonst sieht man am nächsten Tag aus, als hätte man eigenhändig ein Schwein geschlachtet. Die Einmalhandschuhe wasche ich übrigens als letzten Gang, gerade so als wenn mir mit Seife die Hände wasche. Dann ziehe ich sie aus und hänge sie zum Trocknen auf. Aus Einmal mache ich so Mehrweg. Nur weils draufsteht, muss man es ja nicht so machen und alles nach einmaligem Gebrauch wegwerfen. Aber das nur nebenbei.

Wenn die Knollen abgekühlt sind, kann man sie mit einem feinen Hobel in feine Scheiben hobeln. Neudeutsch heißt ja sowas alles Carpaccio. Das klingt auch gut, aber innerlich sträube ich mich gegen diese überbordende Begriffshascherei.

Wir breiten die feinen Scheiben auf einem großen Teller aus.
Darüber gibt es ein feines Dressing. Ich nahm dafür aus unserer reichhaltigen Essigauswahl einen Cumberlandessig, zusammen mit Öl von gerösteten Walnüssen, etwas Salz und einer Prise Zucker.
Sie können auch einen Himbeer-Balsamicoessig nehmen und etwas Sesamöl-geröstet. Geben Sie Ihrer Fantasie und Ihrer Lust nach und probieren Sie. Rezepte sind nur Vorschläge und keine Bibel. Lassen Sie sich nichts anderes erzählen und bleiben Sie mutig.

Bei Essig sollten Sie sich einen kleinen Vorrat anlegen. Es gibt traumhafte Essigvarianten, vor allem die Balsamicosorten. Mal mit Orange, mal mit Granatapfel oder auch kräuterige. Gut zu bekommen bei "Vom Faß" oder einer guten Essigmanufaktur. Nur im Supermarkt bin ich kritisch - da ist eher die Massenware daheim. Auch wenn manche behaupten, dass sie "Lebensmittel lieben", wo sie doch eher das Geld der Kunden meinen.

Also: wir haben jetzt den Rote-Bete gefächert mit unserem Sößchen darüber. Den Kick bringt ein Ziegenfrischkäse mit Wumms. Wir bringen das fertig mit aus dem Vinschgau. Bei Naturns, direkt vor dem Taleingang zum Schnalstal liegt der "Vinschgauer Bauernladen".
Ein kleines Paradies für Genießer mit lokalen Produkten der Landwirte aus der näheren Umgebung. Dort gibts auch die Gläser mit Ziegenfrischkäse in Kräuteröl. Ihr könnt natürlich auch einfach Ziegenfrischkäse nehmen, etwas bröseln und (selbstgemachtes) Pesto daruntermischen.

Kaese

Kleine Flöckchen davon über den Teller geben. Zusätzlich noch Walnüsse, die wir vorher in Ahornsirup heiß geschwenkt haben.
Und fürs Frische noch kleine Birnenschnitz - auch die haben jetzt Saison, genau so wie die Walnüsse.

Wie sehr das schmeckt, sieht man daran, dass ich erst an das Foto dachte, als der Teller schon begonnen war. Dazu eine Scheibe gutes, von Frau D selbst gebackenes Dinkelbrot mit Butter.

Ach ja - bevor ichs vergesse. Frau D's Garten hat uns heute noch einmal (14.November !!) ein halbes Pfund Himbeeren beschert. Danke Dir liebe Himbeerhecke.


Mein täglich Leben gibt mir heute!



hilfreiche Links:

https://www.vinschgerbauernladen.it/
(Der Laden wurde unter anderem mit Starthilfe und auf Initiative von Bergfex Reinhold Messner gegründet. Ihm liegt die Selbständigkeit der Bauern Südtirols am Herzen und das weht quasi als Gedanke durch den ganzen Bauernladen.)


https://www.vomfass.de/

Der hier soll auch gut sein - ich war aber bisher noch nicht selbst dort: https://theo-essigbrauer.de/

4
Nov
2025

An-kommen oder Heim-kommen?

Es waren tatsächlich "nur" 6 ½ Stunden von Stresa am Lago Maggiore nach Hause.

Canno

Mit einem Grinsen auf meiner zufriedenen Seele gestehe ich, dass die Heimreise bereits in Cannobio an der Promenade, für einen letzten Espresso und einen Crodino auf italienischem Boden unterbrochen wurde. Und dann nochmal für weitere winterfeste Reserven in der Vorratskammer.

Es war erstaunlich wenig los. Bis auf Basel als verkehrstechnischem Knotenpunkt.

Daheim gleich die volle Dosis Familie. Zwei unserer Enkel freuten sich sichtlich und herzerwärmend beim Auspacken zu helfen.
Die kleinste bekam von Frau D (Oma) den Auftrag das Schächtelchen mit den Elektrozahnbürsten von der Diele ins Bad zu bringen. Vielleicht war die Anweisung "Froilein F, bring das mal für die Oma ins Bad" für eine 1¾ jährige doch etwas zu unkonkret.

Als Frau D die emsige Enkelin mit dem Reise-Schächtelchen und den darin aufbewahrten e-Bürsten ins Bad enteilen sah, war noch alles gut. Mit dem Wahrnehmen des schließenden Klodeckels endete die Ruhe aprubt. Erst Erschrecken, dann Tränengelächter.

Mit dem Älterwerden sieht man das meiste gelassener. Die kleine Maus war enorm stolz geholfen zu haben, und wir konnten das Problemchen mit Desinfektionsmittel , Fön und neuen Bürstenköpfen lösen.

Fürs Heimkommen braucht es eben nicht nur eingelegene Betten und warme Zimmer.


Mein täglich Leben gib mir heute.
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Mein täglich Leben gib mir heute

und es wird täglich besser

Kaum zu glauben

Nichts ist so absurd, dass es Gläubige nicht glaubten oder Beamte nicht täten. (Arno Schmidt)

Linkisches

Hier gibts was auf die Ohren:

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